Description:
Das Bild zeigt einen Teil der historischen Bärenhofanlage Ecke Stockflethweg / Langenhorner Chaussee in seinem Zustand vom Februar 2006. ./. Fünf Monate später wurde sowohl die hier rechts zu sehende Umfassungmauer als auch einer der Türme durch die Firma Auto-Wichert, der das Grundstück gehört, eingeebnet und in eine Stellfläche für Gebrauchtwagen umgewandelt. ./. Zur Chronologie des Geschehens: Um 2002 gab es Bemühungen, den Bärenhof unter Denkmalschutz zu stellen. Diese Initiativen der lokalen Politik scheiterten. Der Bärenhof sei kein Baudenkmal, hieß es. Zwar räumte man ihm einen hohen Identifikationswert für den Stadtteil ein, doch reiche dies nicht für eine Schutzwürdigkeit. Der Langenhorner Bürger Frank Lünzmann begann damals, Unterschriften für den Erhalt des historischen Gemäuers zu sammeln. Weit mehr als 1000 Bürger unterschrieben. In der Folgezeit gab es immer wieder Vorschläge, Teile des nicht unter Denkmalschutz stehenden Bärenhofs in dem (vom Besitzer Autohaus Wichert, eine Audi-Filiale) geplanten Glaspalast zu integrieren bzw. einen der Türme darin wieder aufzubauen. Doch ernst war das von Seiten des Besitzers offenbar nie gemeint. Einer der Geschäftsführer von Auto-Wichert erklärte immer wieder, der Bärenhof sei baufällig, abrissreif und architekturhistorisch ohne jeden Wert, ja eigentlich "Schrott". Im Juli 2006 ließ Auto-Wichert ohne jede Ankündigung die erste Hälfte des Bärenhofs abreißen. Einer der Türme und einige Nebengelasse verschwanden. Der burgartige, von Mauern gefasste Innenhof war damit zerstört. Mit dem Teilabriss ging auch die Steintafel mit der legendären Inschrift Emil Römlings "Wer sich will kratzen mit dem Bär'n, Deß Haut muß erst noch dicker werd'n" (1887) unwiederbringlich verloren. ./. Leider ist der Abriss des Bärenhofs kein Einzelfall, auch nicht im Norden Hamburgs. Immer wenn Konzerne Arbeitsplätze oder die Ansiedlung einer Betriebsstätte versprechen, knickt die Politik ein: So im Jahr 1999. Da wurde das ehemalige Verwaltungsgebäude der Hanseatischen Kettenwerke an der Essener Straße (Ochsenzoll) abgerissen - auf dem Gelände der IVG, eine von Europas größten Immobiliengesellschaften. Dabei war das Haus nicht nur baulich in Schuss, sondern war als Stadtteilkulturzentrum perfekt geeignet. Es barg einen Saal, eine Terrasse, einen ausgebauten Keller, in dem Ausstellungen stattfanden, und zahlreiche weitere Räume auf mehreren Etagen. 2006 fiel das reetgedeckte Traditionsrestaurant "Heimbuche" der Abrissbirne zum Opfer, jetzt steht dort eine Burger-King-Filiale, im Jahr 2009 wurde das ehemalige Sozialtherapiezentrum (STZ) des Klinikums Nord mit dem einzigen Schwimmbad der Gegend von Asklepios plattgemacht. Vor 25 Jahren hat diese moderne Einrichtung 20 Mio DM gekostet. Und nun musste der Bärenhof einem Autohaus von Audi weichen. Was folgt als nächstes? Die historischen Klinikbauten des Klinikgeländes Ochsenzoll? ./. Weitere Informationen unter www.Oxenzoll.info; Stand: Mai 2010 ./. Zur Entstehungsgeschichte des Bärenhofs: Der Immobilienmakler Emil Römling ließ 1890 auf seinem zweiten Landsitz in Langenhorn nach seinen romantischen Vorstellungen eine Burganlage errichten. In seiner Glanzzeit bestand der Komplex aus fünf Türmen, einem Haupthaus, einer Kapelle, einem Bärenzwinger, einem Verlies, einem überdachten Brunnen und einer Gartenanlage bzw. einem Park. Im Burghof standen Bäume. Nach dem Verkauf wechselte der Bärenhof hin und wieder seine Bestimmung: Ausflugsgaststätte, Wohnung, Ladenherberge. Um- und Anbauten sowie Brände veränderten seine Gestalt. ./. Letztes Kapitel der Bärenhof-Chronik: Seit Mitte April 2010 wurde der Bärenhof komplett abgerissen. Die Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. organisierte zwar am 23. April noch eine Demo vor Ort, konnte aber die Bagger nicht mehr stoppen.